In den vergangenen Wochen bin ich über ein schönes Beispiel für den Niedergang der deutschen Journalie gestolpert:
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Kai D. -- anonymes Roaming-Opfer"
Da schlurft ein armes gebeuteltes Opfer der "Roaming-Mafia" mit Lidel-Tüten - wahrscheinlich voll Trockenbrot und Wasser - Mirakuli als Luxus für den Sonntagsschmaus - und erzählt den aufrechten Medienhelden von Spiegel TV seine erschütternde Geschichte. Kai D., der vollkommen ahnungslos wenige Megabyte große Videofiles von seinem Nordafrika-Trip den Lieben nach Deutschland sandte und dafür nun einen xstelligen Rechnungsbetrag von der Telekom berechnet bekam. Der Zuschauer zerfließt im Mitleid für den "Angestellten".
Unterschlagen wird, dass Kai D. eben Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD ist, der seinen persönlichen Rachefeldzug gegen Rene Obermann führt. Der hatte dem Cheflügner der BILD auf seine persönlich an ihn gerichtete Reklamation der vollkommen korrekt berechneten Roamingkosten die kalte Schulter gezeigt: Für Reklamationen gäbe es eine fach- und sachkundige Reklamationsabteilung, an die sich auch der Chefredakteur der BILD wenden könne.
So unwirsch mit unbestechlicher Geradlinigkeit konfrontiert hatte Diekmann sich an die Spiegel TV Redaktion gewand, die daraufhin das bereits verlinkte Machwerk unters Volk gebracht hat.
Mir machen solche Alianzen Angst. Ein derartig dreister Missbrauch von Medienmacht und eine so unverfrorene Klüngelwirtschaft unter den Redaktionen deutet auf eine Schamlosigkeit unserer Journalie hin, die jeden ehrlichen Menschen auf die Palme bringen muss. Die "Vierte Macht" scheint immer mehr selbst zu etwas zu werden, dass dringend kritisch beobachtet werden muss! Ich mag mir nicht ausdenken, welche Absprachen zwischen diesen Redaktionen getroffen werden, wenn es darum geht, unliebsame Parteien oder politische Richtungen ins Abseits zu drängen. - Und im Zweifel nur, um persönliche Rachegefühle befriedigen zu können.